DER KALTE ATEM DER VERSCHWÖRUNG IN FLORIDA

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Die Sonne in Florida kann so grell sein, dass Menschen ihre eigenen Schatten nicht mehr sehen.
Laura saß auf der Terrasse und hielt eine Tasse kalten Kaffee in der Hand.
Das Haus war schön – weiße Wände, ein Pool, Palmen. Alles sah genau so aus, wie sie es sich vor Jahren vorgestellt hatte.
Es gab nur ein Problem.
Dieses Haus, die Autos, die Bankkonten …
alles gehörte Daniel.

Daniel kam mit den Schlüsseln in der Hand aus dem Schlafzimmer.

— Laura, — sagte er. — Wir müssen reden.

— Worüber? — lächelte sie.

— Über Geld. Über Schulden. Und über die Leute, mit denen du dich in letzter Zeit triffst.

Laura lachte.

— Du denkst zu viel.

Daniel sah sie lange an.

— Manchmal habe ich das Gefühl, — sagte er, — dass du darauf wartest, dass ich einfach … verschwinde.

Laura riss die Augen auf.

— Mein Gott, Daniel … was für ein Unsinn.

Doch tief in ihrem Lächeln blitzte für einen Moment etwas auf. Daniel bemerkte diesen Blick. Und in dieser Nacht schlief er lange nicht.

Der Auftrag

Ein paar Tage später traf sich Laura mit einem Mann. In der dunklen Ecke einer Bar am Stadtrand. Der Mann saß allein da. Schwarze Jacke, kalter Blick.

— Sind Sie Viktor? — fragte Laura.

— So nennen sie mich, — antwortete er.

Laura beugte sich vor.

— Man hat mir gesagt, dass Sie … Probleme lösen.

— Manchmal.

— Mein Mann ist ein Problem.

Stille.

— Sind Sie sicher?

Laura sah ihn kühl an.

— Sehr.

Sie legte einen Umschlag auf den Tisch.

— Das ist die Anzahlung.

Der Mann nahm den Umschlag.

— Morgen Abend.

Abschied

Am nächsten Tag verließ Daniel wie gewöhnlich nach dem Frühstück das Haus.

— Ich komme spät zurück, — sagte er.

Laura umarmte ihn.

— Pass auf dich auf.

Die Tür fiel ins Schloss. Laura sah lange auf die geschlossene Tür.

— Endlich … — flüsterte sie.

In der Nacht klingelte das Telefon. Das Warten, in dem jede Sekunde wie eine Ewigkeit verging, endete.

— Frau Schneider?

— Ja.

— Es ist etwas mit Ihrem Mann passiert. Sie müssen kommen.

Die Leichenhalle

In einer Leichenhalle ist es immer kalt. So kalt, als würden dort nicht nur Körper aufbewahrt, sondern auch die grausamsten Geheimnisse der Menschen.

Laura stand vor einem Metalltisch. Der Arzt hob langsam das Tuch. Daniels Gesicht erschien.

Regungslos. Blass.

Laura schrie auf.

— Nein … Daniel …

Sie griff nach dem Tisch und begann zu weinen.

— Mein Gott … warum …

Der Arzt und ein Polizist sahen schweigend zu.

— Erkennen Sie den Körper? — fragte der Arzt.

Laura nickte schluchzend.

— Ja … das ist … mein Mann …

Sie bat darum, einen Moment allein zu sein. Als sich die Tür schloss, hörte das Weinen auf.

Laura sah lange auf den Körper. Dann beugte sie sich hinunter und flüsterte:

— Endlich … Leb wohl.

Das Geständnis

Am Abend traf sie Viktor auf einem dunklen Parkplatz.

Laura öffnete ihre Tasche.

— Das ist der Rest.

Der Mann nahm den Umschlag.

Dann sagte er:

— Ich habe eine Frage.

Laura lächelte leicht.

— Auftragskiller stellen normalerweise keine Fragen.

— Die Arbeit ist erledigt. Das ist nur Neugier.

— Welche Frage?

— Warum?

Laura war kurz überrascht.

— Willst du das wirklich wissen?

— Ja.

Sie zuckte mit den Schultern und lehnte sich gegen das Auto.

— Am Anfang dachte ich, ich liebe ihn.

Aber später habe ich verstanden, dass er nur ein Schlüssel war.

— Ein Schlüssel wofür?

— Für das Leben. Das Haus, das Geld, das Geschäft … alles lief über seinen Namen.

Viktor schwieg.

— Und dann kam Rafael, — fuhr sie fort, — und zeigte mir, wie das Leben auch sein könnte. Frei.

— Ihr Liebhaber?

Laura lächelte.

— Du begreifst schnell.

— Und Daniel?

Ihr Gesicht wurde kalt.

— Er stand einfach im Weg.

Stille.

— Interessant, — sagte der Mann.

— Was?

— Dass Menschen so leicht über den Tod sprechen können.

Laura zuckte mit den Schultern.

— Wenn es deine Freiheit ist, ist es nur eine Entscheidung.

Sie stieg ins Auto und fuhr davon.

Freiheit

Das Haus war dunkel. Sie machte das Licht nicht an. In der Stille und Dunkelheit fühlte sich ihre Freiheit grenzenlos an.

Laura schenkte sich Cognac ein, nahm einen Schluck und öffnete das Fenster. Kühle Luft strömte herein, zusammen mit dem fernen Geräusch der Stadt – ein Klang, der wie ein Versprechen klang. Dann nahm sie das Telefon.

— Markus, ich bin’s. Wir müssen über das Erbe sprechen.

Wenn ein Ehemann ohne Testament stirbt – geht das Haus vollständig auf die Ehefrau über?

Sie ging im Zimmer auf und ab.

— Ja … ich möchte die rechtlichen Möglichkeiten verstehen …

Das Gespräch dauerte nicht lange. Jetzt war sie ruhig. Ja, sie musste vielleicht ein wenig warten.

Aber das war nichts im Vergleich zu dem, was sie bald besitzen würde. Laura ging in die Küche, um Eis zu holen.

Der Geist

Sie schaltete das Licht ein. Und erstarrte.

Der Atem stockte. Auf einem Stuhl saß jemand, den sie in diesem Moment am allerwenigsten erwartete.

— Daniel …?

Er saß da, den Kopf gesenkt.

Laura wich zurück.

— Das … ist unmöglich … ich habe dich in der Leichenhalle gesehen … ich habe dich identifiziert …

Daniel sah sie ruhig an.

— Ja, — sagte er. — War die Attrappe überzeugend?

Er hob den Kopf und sah sie mit traurigen, enttäuschten Augen an.

— Vor ein paar Monaten, als du immer öfter verschwunden bist, begann ich dir zu misstrauen.

Deine Worte können lügen. Deine Augen nicht. Deine Augen sind dein größter Feind. Er zeigte zur Decke.

— Ich habe im Haus ein Abhörgerät installiert.

Lauras Gesicht wurde blass.

— Und ich hörte, wie du mit deinem Liebhaber darüber gesprochen hast, wie du mich loswerden kannst.

Die Haustür öffnete sich. Mehrere Polizisten kamen herein. Mit ihnen auch Viktor. Er zeigte seinen Ausweis.

 — Frau Schneider, Sie sind verhaftet wegen der Organisation eines Mordes an Ihrem Ehemann.

Laura sah ihn schockiert an.

— Du …

— Polizei, — sagte Viktor ruhig.

Daniel sprach weiter.

— Ich habe ihnen die Aufnahme gegeben. Aber wir mussten warten, bis du das Spiel zu Ende spielst.

Bis du bezahlst. Bis du alles bestätigst. Viktor fügte hinzu:

— Den Kontakt zu dem „Killer“ hat Ihnen Ihr Liebhaber Rafael gegeben.

Laura erstarrte.

— Er …?

— Er arbeitet mit der Polizei zusammen. Unter dem Druck der Beweise hatte er keine Wahl.

Stille erfüllte den Raum. Laura setzte sich langsam auf einen Stuhl.

— Also … alle …

— Ja, — sagte Daniel. — Niemand ist auf deiner Seite geblieben.

Nach einem Moment hob Laura langsam den Kopf. In ihren Augen war nichts mehr. Nur Leere.

— Wisst ihr, was das Interessanteste ist? — flüsterte sie.

Niemand antwortete.

— Ich dachte die ganze Zeit, ich spiele ein Spiel.

Die Polizisten legten ihr Handschellen an. Laura sah ein letztes Mal das Haus an. Alle waren dort. Nur sie selbst war nicht mehr Teil davon.

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