DIE REINKARNATION VON SHANTI DEVI

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Das Mädchen, das sich an seinen Tod erinnerte

Im staubigen Delhi legt sich der Staub auf alles – auf Dächer, auf Blätter… sogar auf Erinnerungen. Doch es gibt etwas, das sich nicht bedecken lässt.

Die Worte meiner Tochter.

Ich bin Shantis Vater.
Und wenn Sie das hier lesen, sind Sie entweder sehr mutig… oder Sie beginnen bereits, an Dinge zu zweifeln, die ich viel zu spät verstanden habe.

„Sie war nie ein gewöhnliches Kind“

Shanti war vier Jahre alt, als sie zum ersten Mal sagte:

Ich gehöre nicht hierher.

Ich lachte. Meine Frau weniger.
Doch dann begann sie, ein Haus zu beschreiben, das sie nie gesehen hatte.

Es ist in Mathura… die Wände sind gelb… aber schon verblasst… im Hof ist ein Brunnen… daneben ein Stein mit einem Riss… dort habe ich immer gesessen…

Ich weiß nicht warum, aber dieser „Riss“ ließ mich erstarren.

Mein Name ist Lujji.

In diesem Moment wusste ich zum ersten Mal, dass etwas in meinem Haus nicht stimmte.

„Sie erinnerte sich an ihren Tod“

Zuerst waren es nur Albträume.

Dann nicht mehr.

Eines Nachts wachte ich von ihrer Stimme auf. Doch es war nicht die Stimme eines Kindes.
Es war… die Stimme eines Menschen, der erstickt.

Sie hielt sich den Bauch – so fest, dass ihre Finger weiß wurden.

Lasst mich nicht allein… schließt die Tür nicht… keine Luft…

Ich nahm sie in den Arm, doch sie stieß mich weg. Mit Kraft. Kein vierjähriges Kind stößt so.

Er weint nicht… mein Kind weint nicht… warum weint er nicht…

Ihr Atem war zerbrochen. Dann griff sie sich plötzlich an den Hals.

Etwas drückt… von innen… es ist heiß… sehr heiß… ich spüre das Blut… es fließt…

Ich erstarrte.

Sie sah mir direkt in die Augen.

Das war nicht meine Tochter.

Ich sterbe.

Dann erschlaffte ihr Körper.

Für ein paar Sekunden war ich sicher…
dass sie nicht mehr da war.

DIE HELLSEHERIN

In einem alten Viertel Delhis gab es eine Frau, von der man sagte, sie sehe Dinge, die andere nicht sehen.

Sie sah Shanti lange an. Schweigend.
Dann flüsterte sie mir zu:

Sie erinnert sich nicht… sie durchlebt es erneut.

— Wie?

Manche Tode enden nicht beim ersten Mal.

Ich ging schwerer hinaus, als ich gekommen war.

DER PSYCHOLOGE

Ich suchte einen Arzt auf. Einen der besten.

Er hörte alles, machte sich Notizen und sagte:

— Das kann eine Form von unterbewusster Suggestion sein. Kinder bauen Identitäten aus Geschichten.

— Aber sie beschreibt den Schmerz.

Er schwieg einen Moment.

— Auch der Körper kann Gefühle „lernen“.

Ich wollte ihm glauben.
Aber er war nicht dabei.

DER GEISTLICHE

Der alte Priester hörte schweigend zu.

Dann sagte er:

Wenn sie sich an den Tod erinnert, ist etwas noch nicht beendet.

— Und ich?

Du bist nur ein Zeuge.

„Als die Vergangenheit kam“

Diesen Tag werde ich nie vergessen.

Ein Mann aus Mathura kam zu uns. Ein ganz gewöhnlicher Mann.
Bis Shanti ihn sah.

Sie blieb stehen. Ihre Finger krallten sich in meine Hand.

Er ist es…

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.

Der Mann lächelte unsicher.

— Guten Tag…

Shanti trat näher. Langsam.

Du hast deinen Bart abgeschnitten.

Er erstarrte.

Aber die Narbe auf deiner rechten Schulter ist noch da… als du die Treppe heruntergefallen bist… ich habe sie verbunden…

Seine Lippen zitterten.

— Wer bist du…

Shanti machte einen weiteren Schritt.

Du hast nachts nie Milch getrunken… sondern Wasser… aber mir gesagt, es sei Milch…

Der Mann begann zu weinen.

Doch das Schlimmste kam erst.

Shanti griff sich plötzlich an den Bauch.

An diesem Tag… warst du nicht da…

Ihre Stimme brach.

Ich habe nach dir gerufen… aber du warst nicht da… sie haben die Tür geschlossen… ich war allein… es war heiß… so heiß… und es tat weh…

Der Mann sank auf die Knie.

— Lujji…

Shanti sah ihn an.

Ich habe auf dich gewartet.

Und ich…
ich wusste nicht mehr, wen ich vor mir hatte.

„Und jetzt weiß ich es nicht mehr“

Wissenschaftler kamen. Schrieben. Untersuchten.
Einige glaubten. Andere nicht.

Doch keiner war dabei, als meine Tochter ihren Tod…
noch einmal erlebte.

Ich weiß nicht, ob es Erinnerung ist… oder Rückkehr.

Ich weiß nur:

Wenn sie schläft, atmet sie schwer…
als würde sie noch kämpfen.

Und manchmal flüstert sie:

Ich komme bald nach Hause…

Doch sie sagt nie, welches.

Eine wahre Geschichte in literarischer Erzählform․